Digitale Entgiftung

Der Gedanke kam wie so oft im Urlaub. An einem Ort, der nach vorgestern aussieht und sich so anfühlt, also nicht nach der großen weiten Welt samt ständiger Erreichbar- und emsiger Betriebsamkeit . Aber immerhin: Mit WLAN-Option in der kleinen Bar an einem kroatischen Strand.

Trotzdem ließ ich mein Smartphone bewusst eine Woche im Appartement. Lautlos. Die wenigen SMS, die kamen, waren naturgemäß nicht dringend („Wie geht es Euch? Hoffentlich ist das Wetter schön!“) und konnten auch am Abend oder am Tag darauf beantwortet werden. Und ähnlich wie in den Jahren zuvor kam in besagter Strandbar der Gedanke: Ich muss meine Online-Präsenz ändern, meine Aktivitäten in irgendeiner Form einschränken, mich digital entgiften.

Der Vorteil in meinem Fall ist wahrscheinlich, dass sich dies als angehendes EPU vermutlich einfacher umsetzen lässt denn als normaler Angestellter. Wer nach dem Urlaub wieder ins Hamsterrad zurückkehrt, findet sich gleich im gewohnten Trott wieder. Der Wunsch, sich digital zurück zu nehmen, wird im Keim erstickt.

Völlig wahnsinnig?

Gipfel des Irrsinns sind die raren Momente, etwa zwei oder drei Mal im Jahr, in denen im Büro für zehn Minuten das Netz streikt und man Sätze hört wie: „Es ist ein Wahnsinn, wie aufgeschmissen man ist, wenn das Internet nicht funktioniert. Man kann ja nichts arbeiten.“ Du behauptest, Du hast das noch nie gedacht oder gesagt? Nun, ich schon. Es gibt Zeugen.

Ist das nicht völlig wahnsinnig?

Zurück an den Strand. Mir war klar  –  die Lektüre des wunderbaren Buches „Mail halten!“ von Anitra Eggler* war mir dabei Motivationshilfe –  dass ich in einem ersten Schritt die größten Zeitfresser aus meinem unmittelbaren Blickfeld eliminieren musste. Und wenn ich im sonnigen Süden ohne Facebook am Handy überlebe, wird das doch auch zu Hause möglich sein.

Um den Flow gleich mit nach Österreich zu nehmen, tat ich noch im Urlaub das, was ich an dieser Stelle ausdrücklich empfehlen kann.

Folgende Apps löschte ich von meinem Smartphone:

– Facebook
– Twitter
– XING
– LinkedIn
– Facebook Messenger
– Runtastic (wozu hatte ich das eigentlich? Ach ja, zum Radfahren! Meine Beine funktionieren ja ohne App nicht…)

Bei WhatsApp änderte ich die Einstellungen so, dass ich nicht benachrichtigt werde, wenn eine neue Nachricht eintrifft, ebenso bei meinen beiden Mail-Apps (getrennt in beruflich und privat). Zu Hause angekommen, tat ich das gleiche bei meinem iPad. Das Resultat machte sich schnell bemerkbar. So nutzte ich Facebook in den ersten Tagen überhaupt nicht, erst nach einiger Zeit schaute ich mal in die Desktop-Version rein. Resultat: Reicht völlig, nichts versäumt.

Digitale Entgiftung: Ich kann erstmals seit Jahren konzentriert arbeiten

Und in der Ohne-Facebook-Zeit konnte und kann ich in der Tat konzentriert und fokussiert arbeiten und den Start meiner Selbständigkeit planen. Dies ist gerade in den Wochen, in denen es um das Verfassen des Businessplans, eine finanzielle Grobkalkulation für das erste Geschäftsjahr, Website, Blog etc. geht Goldes wert. Wenn das Smartphone nicht dauernd blinkt und piept, geht es einfach besser — da bin ich jetzt nicht wahnsinnig objektiv, denn ich berufe mich dabei auf mich.

Nun kannst Du einwenden: Wieso dreht er denn sein Handy nicht ab oder kappt für die Dauer der Arbeit die Datenverbindung?

Der Einwand hat seine Berechtigung und vermutlich ist das auch durchaus tauglich. Aber hast Du Dich selbst schon mal dabei beobachtet, wie viel Du auch in Deiner Freizeit am Handydisplay klebst?

„Ich schau da nur was nach“

Persönlich war mein Tiefpunkt erreicht, als mir meine in der Sandkiste spielende Tochter ihre höchst professionellen Aushubarbeiten zeigen und mir nebenbei ein Sandeis im Stanitzel spendieren wollte und ich daneben am Smartphone hing. Facebook scannen, irgendeine Diskussion ohne Sinn, ohne Respekt, teils aggressiv.

Die Frage aus dem Off der Sandkiste: „Was machst Du, Papa?“

„Ich schau da nur was nach.“

„Du schaust da nur was nach?!?“

„Ja.“

„Was schaust Du nach?“

Belanglose Scheiße, die mir genau nichts bringt, wäre die korrekte Antwort gewesen. Ich entscheide mich für das harmlosere: „Nix Wichtiges.“

Und schäme mich dafür, gebe ich doch meiner damals knapp dreijährigen Tochter dadurch zu verstehen, dass „nix Wichtiges“ immer noch so wichtig ist, dass ich minutenlang auf das Display starre und mir dieser dort konsumierte Stumpfsinn in diesem Augenblick wichtiger als ihre Sandkreation ist.

Wie krank ist das eigentlich?

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