Ein Monat ohne Auto – und die Welt steht noch

Wir kennen ja alle diese Bilder aus der Stadtplanung, die illustrieren, wie viel öffentlicher Raum durch Autos genutzt wird – und umgekehrt, wie platzsparend öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder auch das ordinäre Zu-Fuß-Gehen sind.

Bei Co.Exist fand ich soeben die Story der koreanischen Stadt Suwon. 2013 beschloss man dort, in einem Stadtviertel für die Dauer von einem Monat alle Autos zu entfernen.

„Ein Theaterstück und das Stadtviertel ist die Bühne“

Richtig, entfernen. Es gab kein gewöhnliches Fahrverbot, die Autos wurden aus dem Grätzl gebracht und in anderen Stadtteilen geparkt. Der Monat wurde zum Ecomobility Festival getauft, hat sich mittlerweile auch in anderen Städten bewährt und findet 2017 in Kaohsiung in Taiwan statt.

Konrad Otto-Zimmermann, Managing Director bei The Urban Idea, der das Festival in Suwon mitentwickelte, wird wie folgt zitiert:

„Normalerweise kannst du in einer Computersimulation planen, zeichnest ein künstliches Bild der Zukunft und machst vielleicht noch eine Power-Point-Präsentation. Wir machen das hier aber anders: In einer echten Stadt, mit echten Menschen, in Echtzeit. Es ist ein bisschen wie ein Theaterstück und das Stadtviertel ist die Bühne.“

Bei Planungsbeginn war Suwon vollgepackt mit Autos, die Menschen fuhren dort schlicht jeden Meter, parkten ihre Autos sogar auf Gehsteigen vor Geschäften, um ihre Besorgungen zu erledigen.

„Die meisten Leute konnten sich gar nicht vorstellen, wie ihre Gegend ohne Autos sein würde. Sie sagten, es könne nicht funktionieren.“

Fast zwei Jahre dauerten die Planungen – mit unzähligen Meetings, um die Skeptiker zu Unterstützern zu machen.

Im September 2013 wurden rund 1.500 Autos entfernt, die Stadt sponserte 400 Fahrräder und E-Scooter und installierte eine Fahrradschule, da viele Menschen nicht einmal wussten, wie sie ein Fahrrad benutzen müssen. Die Post wurde mit Elektroautos zugestellt, Shuttlebusse fuhren im 15-Minuten-Takt, um die Menschen zu ihren anderswo geparkten Autos zu bringen.

 

Co.Exist berichtet:

„Das Stadtviertel transformierte sich. Cafés und Restaurants stellten Tische und Sessel auf die Gehsteige und die Straßen füllten sich mit Menschen. Oft sah es aus wie bei einem Straßenfestival, aber die Dauer des Experiments hat mitgeholfen, den Einwohnern zu zeigen, wie das tägliche Leben ohne Auto aussehen könnte.“

Nachhaltige Wirkung

Im Unterschied zu einzelnen autofreien Tagen oder Wochenenden mussten die Einwohner Suwons ihre täglichen Routinen umstellen. Und obwohl das Experiment nach einem Monat endete, hatte es nachhaltige Wirkung.

Gehsteige wurden verbreitert und „Pocket Parks“ (wir würden sie Beserlparks nennen) errichtet.

In einem großen Meeting mit Einwohnern wurden Ideen gesammelt: Das Geschwindigkeitslimit wurde um die Hälfte nach unten gesetzt, auf 18 Meilen (knapp 30 km/h). Die Gegend wurde von den Bewohnern nicht länger als Abkürzung genutzt, der Verkehr war nicht mehr so stark wie zuvor.

In der Nachbarschaft wurde außerdem beschlossen, in einigen großen Straßen auf das Parken am Straßenrand – und auf den Gehsteigen – zu verzichten, was der Community die Gelegenheit gab, Besorgungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erledigen. Jeden Monat gibt es weiters einen autofreien Tag.

Suwon ließ sich das einiges kosten. Das Projekt kostete knapp neun Millionen Euro, ein großer Teil davon floss in die Sanierung von Straßen.

Für Dich: Updates in Deine Mailbox!

News über Projekte und spannende Aktionen meiner Kunden sowie exklusive Angebote für Dich in meinem Newsletter.

Powered by ConvertKit
25

No Responses

Write a response