„Der Rhythmus des Internet macht etwas mit mir“

Vor wenigen Tagen stolperte ich beim Fernsehen über die Diskussionssendung „erLesen“ in ORFIII. Dort nahm unter anderem Catarina Katzer, Sozialpsychologin am Kölner Institut für Cyberpsychologie & Medienethik, Platz. Sie sprach – grob gesagt – über das Internet und wie es uns alle verändert oder das schon längst getan hat.

Die Sendung ist nur noch wenige Tage in der TVthek verfügbar – ich habe hier einige der interessantesten Aussagen Katzers aufgeschrieben, in denen ich mich teils selbst wieder gefunden habe.

Was das Netz mit Integration und potenzieller Radikalisierung zu tun hat, darüber sprach Integrationsexperte Kenan Güngör – hier geht´s zum Artikel.

Dr. Catarina Katzer:

„Ich merke, dass ich mich verändere. Mein Verhalten verändert sich. Man liest sehr viel mit dem Tablet – das hab´ ich auch gemacht. Auf einmal habe ich festgestellt: Ich behalte überhaupt nicht mehr viel. Ich scrolle einfach weiter. Am Ende wusste ich gar nicht mehr, welche Bücher ich wie gelesen habe. Das hat mich wahnsinnig geärgert, sodass ich gesagt habe: Verdammt nochmal, jetzt legst Du das Tablet weg und kaufst Dir wieder ein schönes Buch, in dem ich blättern kann, in das ich einen kleinen Knick machen kann, etwas schreiben kann…ich behalte einfach mehr.“

„Ein anderes Beispiel ist: Ich merke, ich bin ungeduldiger geworden. Mit mir selber, weil ich nicht so schnell bin. Aber auch mit anderen. Mit Menschen, die die Arbeit nicht so schnell machen oder mit Leuten, die im Supermarkt die Kassen nicht schnell genug bedienen, an der Wursttheke wird nicht schnell genug abgeschnitten…dass ich gemerkt habe: Der Rhythmus des Internet macht etwas mit mir – und das ist etwas, worüber wir nachdenken sollten.“

Auf Güngörs eingeworfenen Begriff vom Surfen – „wir bewegen uns nur an der Oberfläche“:

„Es entsteht eine Wissensillusion. Ich habe das Gefühl, ich weiß wahnsinnig viel, weil ich viel sehe über Google und viel finde, aber eben nur an der Oberfläche rumsurfe. Aber die Tiefe erreiche ich nicht.“

„Man muss darüber nachdenken, was passiert eigentlich mit unserem Gehirn und unseren Denkstrukturen, wenn ich eben alles nur noch virtuell mache? Wenn ich nichts mehr wirklich lese. Das heißt, bestimmte Dinge im Gehirn fangen gar nicht mehr an zu arbeiten – ich vernachlässige etwas.

In Amerika gibt es neue Konzepte, übrigens auch von ehemaligen Google-Managern, die neue Schulen einrichten, die besagen: Wir müssen das Alte mit dem Neuen verbinden. Also nicht nur sechs Stunden mit dem Tablet in der Schule arbeiten, sondern vielleicht nur eine halbe Stunde – die aber richtig. Und darüber nachdenken, was verändert sich mit mir, was bedeutet das Verhalten, das ich im Netz zeige? Darum geht es eigentlich in der Zukunft.“

„Jugendliche halten dem Druck nicht stand“

„Wir müssen uns auch überlegen: Wie setzen wir Moral und Ethik im Netz um? Wie schützen wir Jugendliche und Kinder vor Barbarei, auch uns Erwachsene vor Hass und Hetze? Wir stellen ja fest, wir lernen immer mehr im Netz. Wir kucken nicht nur, sondern Werte und Verhalten übertragen sich auch ins reale Leben.“

„Wir Menschen sind einfach nicht fähig, diese Schnelllebigkeit so zu erlangen oder zu erreichen wie wir sie gerne hätten. Wir überfordern uns.

Diese Überforderung  sieht man ja auch gerade bei Studien in Österreich, was Jugendliche betrifft. Sie sind digital überfordert. Sie stehen unter einem immensen digitalen Stress, […] mit dem ganzen WhatsApp, mit Facebook, mit vielen Gruppen – mit dem, was sie tun müssen – und dem gesellschaftlichen Druck, dem können sie nicht standhalten.“

„Kinder und Jugendliche sind im Wissen nicht die Kompetenten“

„Wir müssen mehr Ethik, Moral und Philosophie in die neuen Medien bringen, […] Freude am Lesen, Freude an der Sprache wecken, indem ich die neuen Medien mit ins Boot nehme, indem ich neue Systeme in Schulen integriere, die Online-Coaching-Systeme haben, die genau das machen: Mit den neuen Medien arbeiten.“

„Damit Kinder und Jugendliche nicht nur glauben: Mit dem Smartphone bin ich auf Facebook und muss mich selbst darstellen oder finde irgendwas auf YouTube. Sondern: Wie kann ich es gesellschaftlich, politisch, ethisch nutzen? Das wäre mein Wunsch.“

„Kinder und Jugendliche sind im Handling der Smartphones, aber nicht im Wissen die Kompetenten. Ich merke, dass sie wissen wollen, was das mit mir macht, warum ich mich verändere, warum ich mich selbst darstellen muss und warum ich vielleicht nicht mehr zufrieden oder glücklich bin, wenn ich auf Facebook bin.“   

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