Lasst die Kinder in Ruhe!

 

Da war er wieder – einer der regelmäßigen Seitenhiebe auf die Kinder und Jugendlichen Österreichs. Diesmal vor einigen Tagen in der Sonntags-Krone im Sportteil anlässlich der Berichterstattung zum Tag des Sports.

Die Argumentation ist stets ähnlich, der Krone-Artikel nur ein Beispiel dafür. Die Begründung für die mangelnde Bereitschaft von Jugendlichen, Sport zu betreiben („neueste Studien“ sprechen von 28 Prozent, die aktiv Sport machen), liest sich wie folgt:

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Kronen Zeitung, 25. 9. 2016

Also: „Unsere“ Kinder machen keinen Sport, keine Bewegung. Sie sitzen nur herum, starren auf ihre Smartphones. Sie werden also dumm, fett und krank.

Einen „Beleg“ liefert der Kommentar einige Zeilen später gleich frei Haus mit.

So nämlich…

„…saßen gestern Nachmittag beim Tag des Sports zehn etwa 13- bis 14-Jährige rund um eine kleine Bank. Völlig desinteressiert an all den Bewegungsangeboten in unmittelbarer Nähe. Und zirka fünf beobachtete Minuten lang, ohne auch nur ein Wort miteinander zu wechseln.

Stattdessen tippten sie hektisch und leeren Blickes auf ihren Mobiltelefonen herum…“

Nun ist die Thematik an sich natürlich alles andere als lustig und maximal ernst zu nehmen. Und es ist mir schon klar, dass ein Kommentar auch Zuspitzung bedeutet und provozieren darf.

Ich frage mich nur in letzter Zeit immer häufiger, ob sich Jugendliche nicht langsam genervt fühlen, wenn sie allerorts hören und lesen, dass sie der faulen Internet-Smartphone-Generation angehören, die nur in „verdunkelten Zimmern“ herumlungert und auf ihre digitalen Devices starrt. Als ob wir Erwachsenen so viel anders wären…



Ich bin der Meinung: Bewegung ist wichtig, aber zugleich auch digitale Kommunikation und wie wir mit der jederzeit verfügbaren Technik und letztlich auch mit den angebotenen Inhalten umgehen.  

Natürlich wachsen Kinder heute anders auf als vor einigen Jahren im Gegensatz zu – sagen wir – mir als 1980 Geborenem.

Kleiner Exkurs dazu: Mein elfjähriger Neffe äußerte sich vor einigen Wochen amüsiert über meine 16-Gigabyte-Speicherkarte für mein Smartphone. Als ich ihm erzählte, dass ich vor ziemlich genau 26 Jahren einen Amiga 500 besaß (erstes Fragezeichen in seinen Augen), dessen Speicher von 512 Kilobyte (zweites Fragezeichen) ich mit einer ein- und ausschaltbaren Speichererweiterung auf 1(!) Megabyte (drittes Fragezeichen) erhöhen konnte, realisierte ich: Wie geil, er weiß nicht mal, was ein Megabyte ist. Es existiert in seiner Welt schlicht nicht mehr – oder anders gesagt: Es hat nie existiert. Genauso wenig wie Vierteltelefone, Video- und Audiokassetten oder 56k-Modems.

In seiner Welt existieren die schnelle Kommunikation, WhatsApp, Selfies, WTF und YOLO, Emoticons und Hashtags.

Hashtags wie vielleicht #tds16 oder #tagdessports, mit dem die oben erwähnte Veranstaltung nach allen Regeln der PR-Kunst über alle Kanäle beworben wurde. Völlig zurecht, muss man als Marke doch dorthin, wo sich die Konsumenten aufhalten. Und praktischerweise hat man mit der „Kronen Zeitung“ einen starken Medienpartner, der die Inhalte der Veranstaltung redaktionell transportiert.

Vielleicht haben die zehn Kids auch nur ihre Selfies mit Marcel Hirscher hochgeladen. Was weiß man. Aber sie bekommen, siehe oben, gleich präventiv die Watschn mit.

Hans Pum, Sportdirektor von Krone-Partner ÖSV, wird folgendermaßen zitiert:

„Es muss vor allem unter Eltern das Bewusstsein gestärkt werden, wie wichtig das (Bewegung, Anm.) ist! Und dabei geht es nicht um Spitzensport, sondern um körperliche Aktivitäten ganz allgemein.“

Nichts dagegen einzuwenden. Aber ich meine – um wieder auf mein Bild der genervten Jugendlichen zurück zu kommen – dass man das anders handhaben könnte.

Es geht ums Tun.

Im Haus, in dem ich wohne, leben zahlreiche Kinder, viele von ihnen im Volksschul- oder Unterstufenalter. So schlecht kann das Wetter gar nicht sein, dass ein Tag vergeht, ohne dass ein Haufen von Burschen im Hof stundenlang einem Ball nachjagt. Eine Gruppe, in der diejenigen, die im Verein kicken, spielerisch sichtlich den Ton angeben, alle anderen dies jedoch mit Einsatz und vor allem Spaß wettmachen. Ein Ball, zwei Bäume, fertig ist das kleine Stadion.

Es kann so einfach sein: Gebt ihnen einen Ball. Einen Roller. Ein Skateboard. Nutzt die Dinge, die vorhanden sind, um Bewegung zu fördern. Hört auf, unsere Kinder als handysüchtige Deppen hinzustellen, sondern ermöglicht ihnen Bewegung. Lehrt ihnen Medienkompetenz – das ist wichtiger denn je. Und lebt sie ihnen vor.

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