Mails und Arbeit noch vor dem Frühstück?

Vor einigen Monaten habe ich es wieder einmal gelesen.

Interview mit dem Boss einer sehr bekannten österreichischen Werbeagentur, das Gespräch dreht sich unter anderem um die persönliche Mediennutzung. Die Aussage, sinngemäß: „Um 6:30 Uhr nehme ich das erste Mal das Handy in die Hand und schaue, ob es wichtige Mails gibt.“

Da denke ich mir: Wie wirklich wichtig wird eine Nachricht sein, die eine Nacht lang friedlich vor sich hinschlummern darf?

Aber egal. Ich nehme dies wieder einmal zum Anlass, meine eigenen Rituale anzusehen und zu hinterfragen. Denn eigentlich ist ja das, was ich machen will: Selbstbestimmt arbeiten.

Mails erst im Büro lesen oder überhaupt nur zu bestimmten Uhrzeiten den Mailclient öffnen, hört man vielerorts.

Oder: Vor einigen Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, direkt nach dem Aufstehen in der Unterhose vors Haus zum Postkasten zu gehen, um nachzusehen, ob uns der Chef geschrieben hat – heute tun wir genau das, indem wir noch im Bett unsere Firmenmails auf dem Smartphone lesen.

So in etwa argumentieren Digital-Therapeutin Anitra Eggler sowie sämtliche andere Vordenker des Digital Detox.

Natürlich haben sie alle recht.

Eigene Rituale finden

Aber vermutlich muss jeder seine eigenen Rituale, seinen eigenen Rhythmus, seine eigene Arbeitsweise suchen und finden, mit der sie oder er ohne Stress produktiv sein kann.

Und wenn das bedeutet, um 6:30 Uhr Mails zu checken, dann soll das so sein.

Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem, dass Du Deine Arbeitsweise selbst bestimmst.

Ein paar persönliche Beispiele:

Ich merke immer wieder, dass es mir sehr leicht fällt, in der Früh Texte zu schreiben bzw. zu korrigieren oder Mails zu formulieren, die ich am Vorabend aufgrund von Ideenmangels vor mir hergeschoben habe.

Zum ersten (oder zweiten oder dritten) Kaffee die tagesaktuellen Pressespiegel meiner Kunden anzusehen ist ebenso ein liebgewonnenes Ritual geworden.

Auf Pinterest nach spannenden neuen Inhalten zu suchen dauert vielleicht drei Minuten und geht für mich wunderbar, während ich das Frühstück herrichte.

Gadgets sinnvoll einsetzen

Ich glaube, dass es wichtig ist, die digitalen Helferleins sinnvoll zu nutzen, damit sie das tun, wozu sie da sein sollten: Um uns zu helfen und nicht, um uns süchtig zu machen.

Persönlich schätze ich es wahnsinnig, dass ich mit dem Smartphone ein kleines Büro dabeihabe und unterwegs – wenn es erforderlich ist – auf Dokumente und andere Informationen zugreifen kann. Wie oft hätte ich schon einen Ausflug mit den Kindern abbrechen müssen, wenn es diese Möglichkeit, ortsunabhängig innerhalb von zwei Minuten ein Problem zu lösen, nicht geben würde?

Ein bisschen naiv gedacht: Smartphone und Apps wurden in erster Linie dazu entwickelt, uns das Leben zu erleichtern. Verwenden wir sie also dementsprechend.

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