Nachrichten aus dem Hintergrund

In Österreich fliegt Bundeskanzler Sebastian Kurz gerade der Inhalt eines sogenannten Hintergrundgesprächs um die Ohren. Und je weiter sich diese Causa dreht, desto mehr beginnt man hin und her zu überlegen, was davon nun Kalkül war oder inwieweit gewisse Dinge doch nur irgendwie passiert sind.

Was ist geschehen?

Kurz hat dem Vernehmen nach vor wenigen Wochen in einem Hintergrundgespräch mit rund 40 Journalisten die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) scharf attackiert.

Die Inhalte des Gesprächs fanden via Stadtzeitung Falter den Weg in die Öffentlichkeit, seitdem kommt die österreichische Politik- und Medienbubble (wieder mal) kaum zur Ruhe.

Was ist ein Hintergrundgespräch?

Üblicherweise handelt es sich dabei um vertrauliche Gespräche zwischen Journalist(en) und Politikern oder anderen Protagonisten (kurz: InformantInnen) – häufig in kleiner Runde oder gar nur 1:1. Die Inhalte dieser Gespräche, so lautet meist die Abmachung, werden nicht zitiert, es kann frei gesprochen werden – für Journalisten bietet sich die Möglichkeit, Standpunkte besser kennen zu lernen sowie Vorgangsweisen und spätere Entscheidungen besser nachvollziehen zu können. Ein Hintergrundgespräch gehört zur Recherchearbeit eines Journalisten schlicht dazu.

In zahlreichen Ländern ist ziemlich genau geregelt, wie Hintergrundgespräche ablaufen bzw. wie mit dort erhaltenen Informationen umzugehen ist.

In Österreich – und das ist jetzt irgendwie keine große Überraschung – läuft das alles etwas anders. So wirklich geregelt ist bei uns nämlich gar nichts. Näheres dazu hat ORF-Journalist Armin Wolf auf seinem Blog erläutert.

Warum schreibe ich hier aber überhaupt darüber?

Weil es sich hier um ein Paradebeispiel dafür handelt, wie eine getätigte Aussage – und gehen wir nun einfach mal davon aus, dass dies alles so nicht geplant war – zum Bumerang werden kann.

Das Problem ist, dass es „off the records“, wie es so oft heißt, de facto nicht gibt.

Sobald eine Information Deinen Mund verlässt, ist sie draußen und meist nicht mehr zu kontrollieren.

Es klingt logisch, ist aber wichtig: Wäge gut ab, wem Du was erzählst. Es gibt unzählige Beispiele dafür, wie allzu lockeres Plaudern einem Unternehmen echte Probleme bereitet hat.

Bitte nicht falsch verstehen: Es ist absolut okay, Journalisten mit Hintergrundinformationen zu füttern. Aber nur mit solchen, die Dich nicht in die Bredouille bringen können.

Erzähle also nichts, von dem Du nicht möchtest, dass es Kunden, Geschäftspartner, Investoren oder Deine Mutter irgendwie erfahren. 😉

Ausnahme, die natürlich in Deinem persönlichen Ermessen liegt: Du kennst Dein Gegenüber wirklich gut und vertraust ihr oder ihm zu 100 Prozent.

In meinem Guide „So planst Du Dein PR-Jahr“ zeige ich Dir, wie Du einfach und effektiv einen Plan für Deine Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erstellst.

Foto: Alexandros Michailidis / Shutterstock.com

30